Im letzten Artikel haben wir euch von unserem Weg um das Kap Tenaro bis nach Githio berichtet. Dort erwarten uns ein lang ersehntes Päckchen, ein Projekt, das wir seit Jahren vor uns herschieben, und einige der schönsten Orte, die uns Griechenland bisher gezeigt hat. Kommt mit auf unsere Reise von Githio bis in den Saronischen Golf.
Warten in Githio
In Githio heißt es zunächst einmal: warten. Wie zuletzt berichtet, haben wir über Kleinanzeigen einen gebrauchten Fluxgate-Kompass für unseren Autopiloten gekauft und einen netten Ladenbesitzer entlang unserer Route gefunden, der uns erlaubt, seinen Shop als Lieferadresse zu nutzen. Nun liegen wir also vor Githio und beobachten gespannt die Sendungsverfolgung, während unser alter Kompass weiterhin so tut, als wäre nie etwas gewesen.
Die Wartezeit füllt sich jedoch wie von selbst, denn an Bord bahnt sich ein Thema an, das wir in Rücksicht auf unsere sehr geehrten Leser lieber nicht zu detailreich ausschmücken möchten. Wie sollen wir es ausdrücken? Also, es geht im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst. Denn sie möchte nicht durch den Schlauch. Und dieser Schlauch, dieser dicke starre Fäkalienschlauch, wir hätten wirklich genug Chancen gehabt, ihn in der Vergangenheit bereits zu erneuern. Schon 2024, als wir in Südfrankreich alle Borddurchlässe getauscht haben, hatten wir kurz überlegt, den Schlauch gleich mit auszutauschen. Und auch 2025, als wir unsere alte Toilette gegen eine modernere ersetzt haben, haben wir die Gelegenheit verpasst, den Fäkalienschlauch endlich zu erneuern. Er ist halt dick, starr und unappetitlich.
Nun gut, heute führt kein Weg daran vorbei, denn die Wurst steckt fest und unsere Diagnose hat den Schlauch als Übeltäter entlarvt. Zum Glück werden wir bei einem Händler in Githio fündig und bekommen einen passenden Schlauch mit dem richtigen Durchmesser. Über die Details der Aktion breiten wir an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens, nur so viel sei gesagt: Es gibt schönere Bootsarbeiten, aber die Erleichterung, wenn hinterher wieder alles läuft, ist riesig.
An einem anderen Tag machen wir eine Radtour zum Strand von Valtaki, wo seit über 40 Jahren das Wrack der Dimitrios vor sich hin rostet. Der Weg dorthin führt mit einigen Steigungen entlang einer stark befahrenen Landstraße, auf der Eric auf seinem kleinen Rad ganz schön zu kämpfen hat. Doch er beißt sich tapfer durch und der Ausflug lohnt sich: Das riesige, rostige Schiff, das halb im Sand liegt, ist ein wirklich beeindruckender Anblick. Eric und Elvira finden sogar einen Einstieg und inspizieren das Wrack von innen.
Überhaupt genießen wir die Zeit in Githio, denn der Ort ist sehr hübsch, die Restaurants gut und Spielplätze sind reichlich vorhanden. Natürlich lassen wir uns auch die lokale Spezialität Tripleta nicht entgehen, bei der es sich im weitesten Sinne um ein Souvlaki handelt, das zusammen mit einem Stück Kefalotyri-Käse auf einem goldbraun gebackenen Teigfladen mit einem Stück Zitrone gereicht wird.
Karibik-Feeling auf Elafonisos
Als das Päckchen mit dem Kompass schließlich bei uns ist, hält uns nichts mehr in Githio. Für eine Ankernacht geht es zunächst nach Plitra, bevor wir am nächsten Tag weiter nach Elafonisos segeln. Auf dem Weg dorthin frischt der Wind ordentlich auf und bei der rauen See macht unser alter Kompass prompt wieder schlapp. Der angezeigte Kurs springt wild hin und her und wir steuern das letzte Stück von Hand. Immerhin: Der Zeitpunkt für den Ausfall könnte kaum besser gewählt sein, denn der Ersatz liegt ja bereits an Bord.
Vor Elafonisos angekommen, verstehen wir sofort, warum die Strände hier immer wieder mit der Karibik verglichen werden. Türkisblaues, glasklares Wasser über hellem Sand lädt zum Baden ein. Tatsächlich läuten wir erst hier die Badesaison ein, denn die letzten Wochen waren zwar bereits warm, aber noch alles andere als heiß, was eher ungewöhnlich für diese Region ist.
Wir bleiben zwei Tage und nutzen die Zeit, um den neuen Kompass einzubauen. Dafür suchen wir zunächst nach dem perfekten Ort, denn ein Fluxgate-Kompass reagiert empfindlich auf magnetische Störfelder. Mit einer App messen wir die Magnetfelder an verschiedenen Stellen im Schiff. Zudem soll der Kompass idealerweise auf der Mittelachse des Schiffs und möglichst weit unten verbaut werden, wo die Bewegungen des Bootes am geringsten sind. Am Ende finden wir den idealen Ort kurz vor dem Niedergang unter den Bodenbrettern. Die Leitung bis zum Autopiloten lässt sich relativ bequem entlang bestehender Kabelwege führen, ganz ohne dass wir neue Löcher bohren müssen.
Spoiler: Der neue Kompass funktioniert fortan problemlos und der Autopilot lenkt wieder, als wäre nie etwas gewesen!
Monemvasia: Das Gibraltar des Ostens
Nach zwei Nächten vor Elafonisos segeln wir weiter nach Monemvasia. Genau genommen ankern wir in der Bucht von Gefyra, dem kleinen Ort auf der Festlandseite, von dem aus ein Damm zu dem gewaltigen Felsen von Monemvasia hinüberführt.
Der Name leitet sich vom griechischen „moni emvasia“ ab, was so viel wie „einziger Zugang“ bedeutet, denn die mittelalterliche Stadt ist tatsächlich nur über einen einzigen schmalen Weg zu erreichen. Von der Landseite ist sie praktisch unsichtbar, erst wer den Felsen umrundet, entdeckt die alte Stadt, die sich an die Südostflanke schmiegt. Nicht umsonst wird Monemvasia auch als das Gibraltar des Ostens bezeichnet. Im Mittelalter war die Festungsstadt ein bedeutender Handelsplatz der Byzantiner und gab ganz nebenbei dem Malvasia-Wein seinen Namen.
Wir schlendern durch die engen, autofreien Gassen, klettern die alten Treppen hinauf und lassen uns von der Atmosphäre dieser besonderen Stadt verzaubern. Es ist einer dieser Orte, an denen man sich unweigerlich vorstellt, wie hier vor Jahrhunderten das Leben getobt haben muss.
Bevor wir zurück zum Boot fahren, decken wir uns noch mit den für Monemvasia typischen Mandelkeksen ein. Die süßen, kleinen Kekse, die man hier in den Gassen kaufen kann, sind eine echte Sünde wert, eignen sich aber aufgrund der kurzen Haltbarkeit leider nur bedingt als Mitbringsel für unseren anstehenden Urlaub in Deutschland im Sommer.
Geraka: Ankern im Fjord
Von Monemvasia ist es nur ein kurzer Schlag bis nach Geraka Port. Die Einfahrt ist von See kaum auszumachen, doch dahinter öffnet sich eine langgezogene, von Hügeln umschlossene Bucht, die uns eher an einen norwegischen Fjord als an Griechenland erinnert. Traumhaft schön! Wir machen mit Landleinen fest und liegen ruhig wie in Abrahams Schoß.
Der Ort ist klein, aber sehr schön. Es gibt nur wenige, aber gute Restaurants und einen Wanderweg hinauf zur alten Akropolis, von der aus man einen herrlichen Blick über die Bucht und das Meer hat.
Über Paralia nach Porto Heli
Unser nächster Stopp ist Paralia, wo wir längsseits an der kleinen Pier festmachen. Paralia ist winzig, hat aber Charme, und wir genießen es, mal wieder direkt vom Boot an Land spazieren zu können.
Weiter geht es nach Porto Heli, wo wir in der großen, gut geschützten Bucht den Anker fallen lassen. Die Tankstelle liegt hier so günstig am Wasser, dass wir die Gelegenheit nutzen, um mit unseren Kanistern wieder Diesel aufzufüllen und zu bunkern. Außerdem nutzen wir den gut sortierten Ship Chandler, um eine neue Halteöse für unser Dinghi zu kaufen, nachdem uns die alte in Githio ausgerissen war.
Wir bleiben nicht lange in Porto Heli, denn wir werden später noch einmal hierher zurückkehren.
Gäste an Bord: Mit Steffi und Clemens nach Nafplio
Wir segeln weiter nach Vivari, wo uns ein besonderes Highlight erwartet: Steffi und Clemens, die wir erst kürzlich in Petalidi und Kalamata getroffen haben, kommen für zwei Tage zum Segeln an Bord.
Clemens ist ein echter Neptun. Er hat seine Kindheit am und auf dem Wasser verbracht, ist Hobie Cat gesegelt und gesurft. An Bord fühlt er sich sofort zu Hause. Es macht großen Spaß, unsere Begeisterung fürs Segeln mit den beiden zu teilen, und so genießen wir zwei schöne gemeinsame Tage auf dem Wasser, bevor wir die beiden in Nafplio wieder von Bord lassen, von wo sie mit dem Bus zurück nach Vivari zu ihrem Auto fahren.
In Nafplio kommen wir außerdem einem Rätsel auf die Spur, das uns seit wenigen Tagen in der Nase liegt: Es riecht nach Diesel an Bord. Bei der Suche nach der Ursache werden wir schließlich fündig: Der Flansch, der den Einfüllstutzen mit dem Dieseltank verbindet, ist undicht geworden und in der Bilge schwimmt eine ordentliche Portion Diesel. Wir schöpfen den Diesel mit alten Tüchern aus der Bilge, reinigen alles gründlich und setzen die Abdichtung des Flansches auf die To-Do-Liste.
Zum Glück sollte das Problem eigentlich nur dann auftreten, wenn man den Tank überfüllt, wie wir es zuletzt in Porto Heli getan hatten.
Kletterpartie in Kilada
Lange halten wir es in Nafplio nicht aus, denn der Ankerplatz ist ziemlich ungeschützt und die Küstenwache schmeißt erbarmungslos alle aus dem großen geschützten Hafenbecken.
Wir nehmen es sportlich und kreuzen im Starkwind die kurze Strecke bis nach Tolo, wo wir eine Nacht vor Anker bleiben. Am nächsten Tag motoren wir bei Flaute das kurze Stück bis Kilada. Der Ort selbst ist, freundlich formuliert, überschaubar. Ehrlich formuliert: Es ist tote Hose. Die gut geschützte Bucht und das gut geführte Trockendock Basimakopoulos locken dennoch zahlreiche Schiffe hierher.
Ganz zufällig treffen wir Marvin und Liz von den Sailing Climbers im örtlichen Supermarkt und tauschen uns aus.
Natürlich waren die beiden auch bereits in den großen Höhlen unterwegs, die wir uns für diesen Abend ebenfalls als Highlight vorgenommen haben. Es handelt sich um insgesamt drei große Höhlen, die bereits in prähistorischer Zeit von Menschen bewohnt wurden. Auf einigen Tafeln kann man mehr über die Geschichte und Ausgrabungen erfahren. Wir kraxeln bis tief in die Höhlen hinein und werden am Ende mit einem grandiosen Ausblick über die Bucht belohnt.
Ermioni und ein Ausflug nach Hydra
Zunächst machen wir noch einmal einen Zwischenstopp in Porto Heli, bevor wir schließlich bei bestem Segelwetter auf Am-Wind-Kurs weiter nach Ermioni segeln. Es ist ein toller Ort, der auf einer kleinen Halbinsel liegt und den man deshalb von zwei Seiten anlaufen kann. Je nach Windrichtung ankert man einfach auf der geschützten Seite, ein Luxus, den man als Segler sehr zu schätzen weiß.
Wir nutzen Ermioni außerdem als Basis für einen Ausflug, der mit dem eigenen Boot eher unpraktisch ist: Hydra. Vor der berühmten Insel kann man schlecht ankern und der kleine Hafen ist derart wuselig und überfüllt, dass wir gar nicht erst versuchen wollen, dort einen Platz zu ergattern. Stattdessen nehmen wir bequem die Fähre ab Ermioni.
Hydra ist zweifellos schön, aber auch sehr touristisch. Die berühmten Esel, einst das einzige Transportmittel auf der autofreien Insel, dienen heute eher als Touristenattraktion denn als echte Arbeitstiere. Denn auch hier hat die Moderne längst Einzug gehalten: Transportiert wird inzwischen vor allem mit Elektro-Lastkarren, die durch die Gassen surren. Wir besuchen das Museum, schlendern durch die hübschen Straßen und wandern an den Hängen entlang, von denen man immer wieder schöne Ausblicke über den Hafen und das Meer hat.
Im Starkwind verlassen wir schließlich Ermioni und nehmen Kurs auf Poros im Saronischen Golf. Doch davon berichten wir euch in einem weiteren Artikel.