Am 1. Februar fliegt Christoph schließlich wieder zu unserer Wanderer, um nach dem Rechten zu sehen und einige Projekte durchzuführen. Da Preveza im Winter aus dem Ausland nicht direkt angeflogen wird, geht es zunächst von Faro über Wien weiter nach Athen, wo er sich mit Danny aus Berlin trifft, der ihn diesen Winter bei diversen Projekten unterstützen wird. Ab Athen fahren die beiden mit dem Mietwagen noch ca. 4 Stunden bis zum Aktio Trockendock bei Preveza.
Elektrisch Kochen auf See
Die erste Nacht ist kurz, denn vor 1 Uhr nachts können die Kojen nicht bezogen werden. Am nächsten Morgen steht dann zunächst das "Auswintern" des Schiffs an. Die Planen, die das Schiff vor Regen und Sonne schützen sollten, werden entfernt, etliche Anti-Schimmel-Hilfen werden aus den entlegensten Winkeln des Schiffes gekramt, die Wassertanks werden befüllt, Strom wird angeschlossen und der Grundzustand inspiziert. Alles sieht erstaunlich gut aus. Kein Schimmel im Schiff, kein muffiger Geruch. Gut gelaunt fahren wir mit dem Auto nach Preveza und starten einen ersten Einkauf bei LIDL, denn im Umkreis vom Trockendock gibt es außer den üblichen Schiffsausstattern keine Geschäfte.
Nach dem ersten gemeinsamen Frühstück entwickeln wir einen Schlachtplan. Der oberste Punkt auf Christophs Wunschliste ist die Umrüstung der Kochfelder und Backofen auf elektrische Geräte. Wie bei Serienyachten üblich, verfügt unsere Wanderer über ein Kombigerät aus Gasofen und Gaskochfeld, welches halbkardanisch aufgehängt ist, sodass es bei Schräglage und Seegang frei schwingen kann, damit die Suppe nicht auf dem Boden landet, sondern im Topf bleibt. Dabei unterstützen zudem die üblichen verschiebbaren Klemmen, die es ermöglichen, Töpfe und Pfannen festzuklemmen, um so ein Verrutschen zu verhindern. Darüber hinaus lässt sich das Gerät auch feststellen, sodass es eben nicht schwingt, wenn das Schwingen gerade nicht erwünscht ist. Diese Eigenschaften sind für das Kochen auf einer Einrumpf-Segelyacht elementar und sollen uns selbstverständlich auch beim elektrischen Kochen weiter erhalten bleiben.
Christoph hat sich im Vorfeld bereits einige Gedanken über die Umsetzung des Projekts gemacht. Natürlich gibt es hier inzwischen auch fertige Lösungen, aber zum einen kosten die viel Geld und zum anderen neigen wir Segler doch ohnehin dazu selbst zu bauen, was sich irgendwie selber bauen lässt. Der vielversprechendste Ansatz erscheint uns, die bisherige Lösung einfach auszuschlachten, sodass wir im besten Fall bereits eine fertige U-förmige Wanne haben, die nach dem gleichen Prinzip schwingt oder fest arretiert wird und künftig einfach unseren elektrischen Backofen trägt. Ganz so einfach wird es natürlich nicht, doch hier kommt Danny ins Spiel, der einiges an handwerklicher Erfahrung und Geschick mitbringt und die bestehende Lösung kurzerhand beginnt in ihre Einzelteile zu zerlegen.
Wir können dem bestehenden Ofen zwar keine fertige U-Wanne entlocken, jedoch stellen wir fest, dass wir den Boden mit samt Arretierung als auch die zwei Seitenwände durchaus verwenden können, um eine U-Wanne zu bauen, die unseren neuen elektrischen Ofen einfassen kann. Wir benötigen hierfür lediglich ein paar handelsübliche Metallprofile, wie wir sie auch in einem griechischen Baumarkt bekommen sollten. Dazu entsprechende Gewindeschrauben und Muttern und der Plan sollte umsetzbar sein. Am Ende vom ersten Arbeitstag steht somit ein Plan und eine Einkaufsliste für den Baumarkt, den wir am nächsten Tag aufsuchen möchten.
Doch die folgende Nacht wird für Christoph bereits um 3:30 vorbei sein. Eine Erkältung kündigt sich an. Im Baumarkt angekommen verschlechtert sich sein Zustand. Inzwischen plagen ihn Schüttelfrost, Husten und Halsschmerzen. Gemeinsam erledigen wir noch alle nötigen Besorgungen, doch zurück am Schiff verschwindet Christoph im Bett, woran sich auch so schnell nichts ändern wird. Das Projekt Ofen wird nun im Wesentlichen von Danny im Alleingang vorangetrieben.
Christoph bleibt mehrere Tage ans Bett gefesselt und muss sich damit begnügen, vom Bett aus zu recherchieren und mitzuplanen. Inzwischen kristallisiert sich heraus, dass es einfacher wäre, gleich einen Backofen mit integrierten Herdplatten zu finden. Ursprünglich hatten wir den Plan, Induktionsfelder zu verbauen. Induktion wäre zwar am effizientesten, doch für die vorgegebenen Maße finden wir schlicht kein Kombigerät mit Induktionsplatten. Außerdem haben wir in der vergangenen Saison auch nur einen ganz einfachen Zweiplattenkocher benutzt – nur eben nicht fest verbaut. In einem lokalen Elektrofachhandel werden wir schließlich fündig: ein Kombigerät, das alle unsere Anforderungen erfüllt und gerade so in den zur Verfügung stehenden Platz passt.
Am Ende sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir haben ein elektrisches Kombigerät, das frei schwingt und dank eines versteckt angebrachten 1 kg Tauchgewichts auch perfekt in Waage hängt. Wir können die bestehenden Klemmen für die Töpfe und Pfannen weiterbenutzen und auch die Arretierung, um das Schwingen zu unterbinden, funktioniert weiterhin problemlos. Projekt erfolgreich abgeschlossen.
Neuer Glanz am Unterwasserschiff
Inzwischen sind die Bazillen weitergezogen und haben Danny befallen. Für zwei Tage fällt er aus, während Christoph inzwischen wieder genug Energie hat, um sich mit der Schleifmaschine dem Unterwasserschiff zu widmen. Eine Arbeit, die schmutzig ist und nur mit Ganzkörperanzug und Schutzmaske zu erledigen ist.
Wir müssen das Unterwasserschiff nur anschleifen und lose Schichten entfernen, bevor wir die erste Schicht Grundierung (Primocon) auftragen können. Da es aktuell nahezu jeden Tag regnet, nutzen wir jede trockene Lücke, um die Arbeiten voranzutreiben. Nach zwei Tagen in der Koje kann auch Danny beim Unterwasserschiff mit einsteigen und freut sich sehr auf das Arbeiten mit der Schleifmaschine.
Die alte Kielfuge hängt teilweise schon in Fetzen und muss ebenfalls erneuert werden, und zwar noch, bevor wir an dieser Stelle grundieren können. Mit Drahtbürstenaufsatz für den Akkuschrauber entfernen wir die alten Sikareste bis auf ca 2 cm breite oben und unten der blanke Kiel und das blanke Gelcoat freiliegen. Anschließend werden diese Stellen mit 2-Komponenten Epoxyprimer bestrichen, danach folgt noch ein spezieller Primer für das Sika 291i und schließlich die neue Fuge.
Anschließend folgen jeweils zwei Anstriche mit der Grundierung und Micron 350 Antifouling in knalligem Rot. Dem Propeller und Schaft rücken wir mit Phosphorsäure auf den Leib und bekommen beides wieder schön blank. Außerdem gibt es rundum neue Zinkanoden: Zwei für das Bugstrahlruder steuerbord und backbord, eine für den Schaft und eine für den Propeller. Die alten Anoden am Bugstrahlruder sind jedoch so festgefressen, dass wir sie erst nach mehreren Anläufen und unter Einsatz von Hammer und Meißel gelöst bekommen.
Am Ende steht auch das Unterwasserschiff wieder richtig gut da und wird uns sicher wieder zwei Jahre Freude bereiten.
Operation Wärmetauscher am Motor
Die anspruchsvollste Aufgabe haben wir uns für den Schluss aufgehoben: Wir möchten das Rohrbündel aus dem Wärmetauscher entfernen, um es zu reinigen und anschließend wieder einzubauen und bei dieser Gelegenheit auch direkt die gesamte Kühlflüssigkeit auszutauschen. Die aktuelle Kühlflüssigkeit ist grün und Yanmar empfiehlt bereits seit längerem den Wechsel auf die rote Kühlflüssigkeit, die bessere Eigenschaften hat und ihre Schutzwirkung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten soll.
Bevor wir mit der eigentlichen Arbeit beginnen können, müssen wir den Motor an Land laufen lassen können – denn der benötigt im Betrieb Wasser zur Kühlung, das er normalerweise direkt aus dem Meer ansaugt. Die professionelle Lösung wäre eine Manschette, die von außen über die Ansaugöffnung gestülpt und per Schlauch mit einem Wasserhahn verbunden wird. Leider bekommen wir so eine Manschette bei den örtlichen Schiffsausstattern weder zu kaufen noch zu mieten. Wir greifen daher auf die Methode zurück, die wir bereits zum Einwintern mit Frostschutz benutzt haben: Nur statt einer Gießkanne stecken wir jetzt einen Gartenschlauch direkt in den Wasserfilter, sodass der Motor während des Betriebs kontinuierlich mit Wasser versorgt wird. Mit ein bisschen Koordination gelingt es uns so, den Motor mit ruhigem Gewissen an Land laufen zu lassen.
Als nächstes müssen wir über mehrere Ablassschrauben die alte Kühlflüssigkeit aus dem Motor ablassen und in alten Flaschen auffangen. Danach geht es ans Eingemachte. Wir lösen zunächst die beiden Schrauben des vorderen Deckels des Wärmetauschers, die gut zugänglich sind, und bekommen schnell Zugang zum Rohrbündel. Auf den schnellen Triumph folgt jedoch gleich eine rasche Ernüchterung. Wir bekommen das Rohrbündel von dieser Seite nicht aus dem Gehäuse gezogen. Unsere Versuche mit Zangen beschädigen allenfalls die Rohre, aber bewegen das Rohrbündel nicht einen Millimeter. Der hintere Deckel des Wärmetauschers ist jedoch deutlich schlechter zugänglich, und wir müssten einige Schläuche demontieren, um überhaupt an die Schrauben zu kommen.
Wir sind ein bisschen eingeschüchtert und es verlässt uns der Mut, sodass wir kurzerhand "Papa Diesel" kontaktieren, der in Seglerkreisen für Preveza als der Mann gilt, wenn es um Schiffsdieselmotoren geht. Er antwortet schnell auf unsere WhatsApp und bietet an am nächsten Vormittag vorbeizukommen, um das Rohrbündel auszubauen.
Doch der nächste Morgen startet mit einer erneuten Kehrtwende. Danny hat über Nacht neuen Mut gefasst. Am Ende macht Papa Diesel auch nichts anderes als die Schläuche auf der Rückseite zu lösen, den hinteren Deckel zu entfernen und das Rohrbündel von dort durchzuschieben. Außerdem macht es keinen Unterschied, ob wir externe Hilfe zu diesem oder zu einem späteren Zeitpunkt in Anspruch nehmen, und so beschließen wir, den Versuch zu unternehmen, bevor sich Papa Diesel auf den Weg zu uns macht. Die Schläuche sind schnell gelöst und mit ein wenig Fingergymnastik bekommt Danny den hinteren Deckel ab und das Rohrbündel lässt sich tatsächlich relativ einfach durchschieben. Wir sagen Papa Diesel ab und sind froh, dass wir das Problem selbst lösen konnten.
Für die Reinigung besorgen wir uns einen großen Blumenkübel, den wir mit einem Wasser-Säuregemisch befüllen und das Rohrbündel über Nacht darin einweichen lassen. Das Ganze beginnt sofort zu blubbern wie in einem Hexenkessel. Mit Holzspießen und Drahtbürste bearbeitet sieht das Rohrbündel am nächsten Tag wieder aus wie neu.
Mit neuen Dichtgummis und etwas Silikonfett versehen, bauen wir das Rohrbündel wieder ein. Leider bemerken wir an dieser Stelle, dass einer der Schläuche, den wir für den Ausbau etwas wegdrücken mussten, derart porös geworden ist, dass er einen Riss bekommen hat. Dieser vermeintlich kleine Nebenschauplatz entwickelt sich rasch zu einem großen Problem, denn offensichtlich ist die Schlauchschelle angebracht worden, bevor das Abgasknie des Motors montiert wurde, das nun den Zugang zu der Schlauchschelle versperrt. Es ist ein ziemliches Gefummel und wir befürchten zunächst, dass wir nicht um die Demontage des Abgasknies oder mindestens des großen Abgasschlauchs herumkommen werden. Doch nach einigen Anläufen und viel Geduld gelingt es schließlich die Schlauchschelle zu lösen, den alten Schlauch zu entfernen und einen neuen Schlauch zu montieren.
Anschließend folgt das Spülen des Kühlsystems mit Frischwasser. Wir befüllen das System dafür mit Wasser, lassen den Motor einige Minuten laufen und lassen das Wasser anschließend wieder ab. Wir wiederholen diesen Vorgang insgesamt sieben Mal, bis das Wasser den Großteil seiner grünen Farbe verloren hat. Dieser Prozess ist zwar zeitaufwendig, doch ziemlich wichtig, da sich die verschiedenen Kühlmittel nicht miteinander vertragen und bei Vermischung verklumpen können. Am Ende füllen wir die neue rote Kühlflüssigkeit ein und befüllen auch den Ausgleichsbehälter bis zur Maximalmarkierung. Da sich im Wärmetauscher noch Lufteinschlüsse befinden, rechnen wir damit, dass wir zu Beginn der Saison eventuell noch etwas Kühlflüssigkeit nachfüllen müssen, weshalb wir noch reichlich der neuen Kühlflüssigkeit auf Vorrat haben.
Von allen Projekten war der Wärmetauscher dasjenige, vor dem wir den größten Respekt hatten. Umso schöner, dass wir am Ende alles aus eigener Kraft lösen konnten – auch wenn uns zwischendurch durchaus der Mut verlassen hat.
Endspurt
Inzwischen haben wir unsere Kernprojekte erfolgreich abgeschlossen und unsere Rückflüge für den 18. Februar gebucht. Die restlichen Tage verbringen wir mit Kleinkram. Unserer E-Winsch spendieren wir neue Federn und Sperrklinken, in der Hoffnung, es würde das Überspringen im niedrigen Gang beseitigen – tut es leider nicht.
Außerdem lassen wir die Ankerkette ab, um sie mit neuen Markierungen zu versehen. Ein 5G-Router wird installiert und mit unseren Navigationstablets sowie dem AIS verbunden, sodass wir künftig nicht mehr auf Ad-hoc-Verbindungen angewiesen sind.
Zeitgleich widmet sich Danny Christophs Brompton Klapprad, das seit den letzten Tagen auf Sizilien stark am Eiern war, weil der hintere Mantel geplatzt war. Den neuen Mantel hatten wir bereits im Sommer nach Preveza schicken lassen, doch der Leidensdruck war bisher nicht groß genug, da wir die Räder ohnehin hauptsächlich im Winterlager benutzen.
Das vielleicht größte Projekt der letzten Tage ist jedoch die Demontage der alten TV-Antenne auf dem Masttop und die Installation eines Windex zum analogen Anzeigen der Windrichtung. Die TV-Antenne war noch von den Vorbesitzern, doch für uns Millennials ist sie bedeutungslos. Bewegte Bilder konsumieren wir ohnehin nur per Streaming. Der in die Jahre gekommene Fernseher an Bord kann das zwar nicht, aber jetzt wo wir einen 5G-Router installiert haben, werden wir ihn durch ein moderneres Gerät ersetzen und Netflix und Co. künftig auf einem größeren Bildschirm statt auf dem Laptop schauen können.
Und obwohl wir uns nach zwei Saisons auf der Wanderer an das Steuern nur nach Windinstrument gewöhnt haben, war es uns doch eigentlich von Anfang an ein Dorn im Auge, kein analoges Backup für die Windrichtung zu haben. Danny findet die Vorstellung aufregend, 20 Meter über dem Boden mit Akku-Schrauber bewaffnet dieses Upgrade vorzunehmen, und als wir den Windex schließlich beim örtlichen Schiffsausstatter bekommen, ist das Projekt beschlossene Sache.
Mit Baumpflegergurt und doppelter Absicherung über die Dirk und das Spi-Fall zieht Christoph Danny über die E-Winsch bis hoch zum Masttop. Natürlich sind die Schrauben der alten TV-Antenne festgegammelt, doch mit etwas Geduld verabschiedet sich das alte Ding und gibt den Platz frei für den neuen Windex. Nach einer guten halben Stunde ist Danny zurück am Boden und wir schließen das letzte Projekt für diese Saison ab.
Am 18. Februar verlassen wir früh morgens um 4 Uhr das Schiff, um mit dem Mietwagen zurück nach Athen zu fahren. Danny fliegt über Kopenhagen zurück nach Berlin und Christoph über Paris zurück nach Faro. Wieder einmal haben wir unsere Wanderer nach unseren Wünschen und Vorstellungen weiterentwickelt und freuen uns schon jetzt auf die kommende Saison, in der es uns weiter nach Osten in die Ägäis ziehen wird.