Am 22. April reisen wir alle wieder zusammen nach Preveza, um unsere Wanderer aus dem Winterschlaf zu holen und in eine neue Saison zu starten. Diesmal soll es uns weiter nach Osten ziehen, durch das Ionische Meer, einmal um den Peloponnes herum, zunächst nach Athen und perspektivisch weiter in Richtung Türkei.
Wiedersehen im Trockendock
Das Trockendock von Aktio ist im Frühjahr ein lebendiger Ort. Überall werden Schiffe gewienert, geschliffen und für die kommende Saison vorbereitet. Wir lernen endlich Marco, Saskia und Talina von der Balu kennen, mit denen wir bisher nur geschrieben hatten. Eric und Talina verstehen sich auf Anhieb blendend und auch zwischen uns Erwachsenen stimmt die Chemie sofort.
Außerdem treffen wir Hans und Corinna von der CanaguDue wieder und tauschen beim Essen in der örtlichen Taverne die neusten Pläne für die Saison aus. Und so vergeht die Zeit im Trockendock alles andere als einsam.
Letzte Kleinigkeiten vor dem Saisonstart
Nachdem die großen Winterprojekte längst abgeschlossen sind, geht es jetzt nur noch um die Erledigung der letzten Kleinigkeiten. Die Leinen am Flaschenzug unseres Davitsystems waren von Anfang an ein billiger Fehlkauf, und wir ersetzen sie nun gegen hochwertigere Leinen. Bei dieser Gelegenheit wechseln wir auch von 8mm auf 6 mm, was den Lauf durch den Flaschenzug deutlich geschmeidiger macht.
Außerdem bringen wir die Sprayhood zum hiesigen Segelmacher um die Sichtfenster neu einnähen zu lassen, denn die alten Scheiben waren so blind und vergilbt, dass man kaum noch hindurchsehen konnte. Schließlich schlagen wir auch unser Rollgroß und unsere Genua wieder an, die wir im Winter in der Kabine gelagert hatten, um sie vor Sonne und Regen zu schützen. Es ist ein schönes Gefühl, die Segel wieder an ihrem angestammten Platz zu sehen und zu wissen, dass sie uns bald wieder über das Wasser tragen werden.
Am 29. April ist es schließlich so weit: Unsere Wanderer wird ins Wasser gesetzt. Wir sind das letzte Schiff in der Reihe der Einwasserungen, was uns durchaus gelegen kommt, denn so dürfen wir noch eine Nacht im Slipway liegen, sollen uns aber am nächsten Morgen bereits um 7 Uhr auf den Weg machen.
Durch den Lefkas-Kanal nach Nidri
Am nächsten Tag heißt es endlich Leinen los. Wir tuckern gemütlich Richtung Süden und ankern zunächst noch vor dem Lefkas-Kanal, dessen Drehbrücke aktuell nur wenige Öffnungen pro Tag vorsieht. Um 12 Uhr passieren wir ihn dann schließlich mit einigen anderen Booten, jedoch in einer Ruhe und ohne Gedrängel, wie wir sie von unserer letzten Fahrt im Herbst 2025 nicht gewohnt waren.
Unseren ersten Stopp legen wir in Nidri ein. Der Ort ist bei Seglern sehr beliebt und wir treffen prompt auf alte Bekannte, was zu spontanem Klönschnak am Steg führt. Am nächsten Tag unternehmen wir einen kleinen Spaziergang zu den Wasserfällen oberhalb des Ortes – ein willkommener Tapetenwechsel nach den Tagen im staubigen Trockendock. Eric ist voller Energie und meistert die über zweistündige Wanderung mit Bravour. Besonders viel Spaß macht ihm das Klettern über die vielen Felsen.
Das Eis am Ende der Wanderung ist wohlverdient.
Premiere: Römisch-katholisch anlegen in Meganisi
Von Nidri aus segeln wir am Folgetag weiter nach Meganisi. Hier steht eine kleine Premiere an: Zum allerersten Mal legen wir mit unserer Wanderer römisch-katholisch an, also mit eigenem Anker und Heckleinen zum Steg. In der vergangenen Saison lagen wir ausschließlich vor Anker, sodass uns dieses Manöver bisher schlicht erspart geblieben war. Christoph steht am Steuer und lenkt das Heck zur Pier, während Elvira am Bug die Ankerkette ausrauschen lässt.
Am Steg warten bereits aufmerksame Stegnachbarn, die unsere Leinen entgegennehmen und somit klappt das Anlegemanöver auf Anhieb erstaunlich gut.
Operation Tiefenmesser
In Meganisi widmen wir uns einem Problem, das uns schon seit dem Auslaufen ein wenig Sorge bereitet: Eigentlich haben wir gleich zwei Tiefenmesser in unserem Schiff verbaut, doch leider funktioniert aktuell keiner von beiden. Als wir die Wanderer 2024 frisch übernommen haben, war nur der nachgerüstete Tiefenmesser im Bug aktiv und fing jedoch auf Korsika an Probleme zu bereiten, sodass wir kurzerhand die Instrumente auf den serienmäßig mittschiffs verbauten Tiefenmesser umgestellt hatten. Leider haben wir uns seither nie die Zeit genommen, den Tiefenmesser im Bug zu reparieren, was sich nun rächt, als schließlich auch der zweite Tiefenmesser seinen Dienst quittiert hat. Plötzlich segeln wir blind durchs Wasser, was in griechischen Ankerbuchten keine angenehme Vorstellung ist.
Zunächst nimmt sich Christoph den Steuerstand vor und erneuert die Kabelverbindungen des Tiefenmessers, denn das rhythmische Tickern des Gebers ist zunächst erstmal ein gutes Zeichen. Doch weder die Kabelverbindungen noch ein Reset des Tridata ST60 kann das Problem lösen, sodass wir uns schließlich dem Tiefenmesser im Bug zuwenden. Dabei stellen wir fest, dass dieser Sensor anders funktioniert, als wir bisher dachten: Er ist nämlich nicht durch den Schiffsrumpf hindurchgesteckt (wie der serienmäßig verbaute Tiefenmesser mittschiffs), sondern von innen aufgeklebt, sodass er sein Signal durch das Laminat hindurch sendet.
Damit das funktioniert, muss der Sensor in einer mit Flüssigkeit gefüllten Wanne sitzen. Üblicherweise nimmt man dafür schlicht handelsübliches Frostschutzmittel. Der Verdacht liegt nahe, dass ein Teil dieser Flüssigkeit über die Jahre abhanden gekommen ist, was zu Luftblasen führt und den Transport der Schallwellen stört. Wir stellen außerdem fest, dass der Deckel etwas locker sitzt und zudem ein O-Ring fehlt, der normalerweise für die nötige Dichtigkeit sorgt. Wir finden einen passenden O-Ring bei unseren Bordvorräten, füllen den Behälter mit Frostschutzmittel auf und siehe da: Seit dieser kleinen Operation liefert der Tiefenmesser im Bug wieder zuverlässig saubere Werte. Ein Problem weniger!
Operation Autopilot
Wir verlassen Meganisi ohne den gefürchteten Ankersalat, der beim römisch-katholischen Anlegen in engen Häfen und mit sich gegenüberliegenden Booten ja durchaus mal vorkommen kann. Dafür bahnt sich ein anderes Problem an: Ganz plötzlich zieht unser Schiff kräftig zur Seite. Im ersten Moment denken wir an einen Ausfall des Autopiloten, wie wir es in der Vergangenheit in seltenen Fällen schon erlebt hatten. Doch der Autopilot ist nach wie vor aktiv und das Spielchen wiederholt sich noch ein paar Mal.
Da fällt uns auf, dass der Autopilot über 30 Grad Kursabweichung zum wahren GPS-Kurs anzeigt. Wenn der Autopilot eine Kursabweichung von über 30 Grad zum GPS-Kurs feststellt, könnte das erklären warum er plötzlich kräftig zur Seite lenkt. Wir wissen, dass man den Kompass des Autopiloten kalibrieren kann und haben das in der Vergangenheit auch schon einmal bei unserem vorherigen Boot gemacht. Also wühlen wir uns kurzerhand durch die Anleitung des Autopiloten und finden uns schließlich bei ruhiger See Kreise fahrend auf dem Meer wieder. "TOO FAST", sagt uns der Autopilot zweimal, womit er meint, dass wir noch größere Kreise fahren sollen und so vergeht schließlich eine gute Stunde, bis der Autopilot schließlich wieder tut, was er soll. So ganz ist uns aber noch nicht klar, woher dieses Problem plötzlich kommt und ob es vielleicht irgendwas mit dem Reset des ST60 Tridata Displays zu tun hat, auch wenn unser AI Schlaumeier Gemini uns versichert, dass das eigentlich nicht sein kann. Wir werden das im Auge behalten, denn irgendwie erscheint es uns auch so als wäre jetzt auch die Sensitivität des Autopiloten verstellt.
Mitikas und Messolonghi
Wir bleiben eine Nacht vor Anker in Mitikas, wo wir uns zum Frühstück noch einmal das vielleicht beste Bougatsa im ganzen Ionischen Meer schmecken lassen, bevor wir am nächsten Tag weiter nach Messolonghi segeln. Da die Ankersituation laut den Kommentaren in Navily jedoch aktuell unklar ist, entscheiden wir uns an diesem Ankunftsabend erst einmal westlich der Einfahrt zu ankern und laufen erst am nächsten Morgen in den Hafen ein. Dort angekommen, sehen wir zwar mehrere Boote vor Anker liegen, entscheiden uns jedoch dazu, lieber an der Pier längsseits anzulegen, da wir so leichter mit den Fahrrädern den Ort und den etwas abseits gelegenen LIDL erreichen können.
Die Innenstadt ist lebendig und voller Tavernen und Cafés, die zum Verweilen einladen. Beim Schlendern durch die Straßen ruft Eric "Mmmh Pizza", worauf ein Pärchen ihn zu sich winkt und ihm direkt ein Stück von ihrer Pizza auf die Hand drückt. Die griechische Gastfreundschaft entzückt uns immer wieder aufs Neue.
Am nächsten Tag laufen wir durch die nahegelegene Marina und werden kurzerhand von Alex auf seine 27-Fuß-Bandholm eingeladen, die er erst vergangenes Jahr aus Dänemark nach Messolonghi gesegelt hat. Er ist bereits im Ruhestand und möchte im März 2027 zu einer Weltumsegelung aufbrechen – mit viel Zeit und ohne die Absicht, je wieder zurückzukehren. Wir lauschen seinen Plänen mit einer Mischung aus Bewunderung und Neugier.
Während Alex für uns eine ganz neue Bekanntschaft ist, gibt es am selben Tag noch ein Wiedersehen mit alten Bekannten: Wir treffen die Crew der "Brise de Mer", die wir bereits 2024 im Trockendock in Südfrankreich kennengelernt hatten. Auch sie wollen den Peloponnes umrunden – auf den kommenden Etappen wird sich also vermutlich noch die ein oder andere Gelegenheit für gemeinsame Abende ergeben.
So endet unsere erste Saisonetappe in Messolonghi mit einer guten Mischung aus alten und neuen Bekanntschaften, einer reparierten Tiefenmessanlage und einem hoffentlich wieder zuverlässigen Autopiloten. Vor uns liegt der große Bogen um den Peloponnes – doch davon mehr in den kommenden Artikeln.