Etwa sechs Wochen waren wir in Deutschland, um Familie und Freunde zu besuchen. Von Heidelberg über Köln, Hannover, Lüneburg, Hamburg und Berlin haben wir uns quer durch Deutschland bewegt und viele schöne Stunden mit lieben Menschen verbracht. Wir durften sogar eine Hochzeit mitfeiern. Mit vollen Akkus (und Paketen) sind wir nun zurück in Preveza und jede Menge Arbeit wartet auf uns.
Bruch des neuen Außenborders
Über Kleinanzeigen hatten wir uns in Berlin einen nahezu nagelneuen Elektro-Außenborder, den ePropulsion Spirit 1.0 Plus, gekauft und per DHL nach Preveza schicken lassen. Mit Spannung holen wir das 30 kg schwere Paket aus dem Büro ab, in dem sich sowohl der Außenborder als auch noch ein paar andere Dinge befinden, die wir uns auf diesem Weg aus Deutschland haben zukommen lassen.
Leider klafft im Batterieteil des Außenborders ein großes Loch im Kunststoffgehäuse. Der Außenborder hat uns 1250 € gekostet, ca. die Hälfte des Neupreises, die Enttäuschung ist zunächst groß. Wir montieren den Motor probeweise an einem Gerüst und testen, ob er überhaupt noch funktioniert. Tut er. Binnen Minuten entsteht der Plan, das Loch schlicht und ergreifend mit Glasfasermatten und Epoxidharz zu reparieren.
Mit unserem Dremel schäften wir zunächst die Bruchkanten etwas an, damit die Glasfasermatten später besser haften. Anschließend kleben wir vorsichtig von innen soweit wie möglich Panzerband über das Loch, damit die Glasfasermatten anfangs etwas mehr Halt haben und auch kein Epoxidharz nach innen tropft. Dann schneiden wir die Glasfasermatten in passende Stücke und mischen das Epoxidharz an. Wir tränken die Matten im Harz und kleben sie dann vorsichtig in mehreren Lagen auf das Loch. Nach dem Aushärten schleifen wir die Oberfläche noch etwas glatt und bringen eine weitere Schicht Epoxyspachtel auf, den wir ebenfalls nach dem Aushärten noch einmal glatt schleifen.
Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das Loch ist dicht und bombenfest verschlossen. Unser Außenborder ist jetzt ein Unikat, was ihn möglicherweise sogar für Diebe etwas unattraktiver macht.
Kampf mit der Technik: Toilette und Leckagen
Doch wir haben in den wenigen Tagen, bevor unsere Wanderer zurück ins Wasser kommen soll, noch weitere Arbeiten geplant. Allen voran steht die neue Toilette, die wir bereits vor Wochen beim Ship Chandler in der Cleopatra Marina geordert haben. Unsere elektrische Toilette macht hin und wieder Probleme und wir stehen vor der Wahl, ob wir sie warten oder komplett ersetzen sollen. Wir entscheiden uns schließlich für eine neue Johnson Silent Flush, bei der man das Ansaugen von Spülwasser und das Absaugen des Schmutzwassers separat steuern kann. Es gibt also drei Knöpfe: Einen der Ansaugen und Absaugen kombiniert (Normalfall) und einen Kipptaster, der in eine Richtung nur ansaugt und in die andere Richtung nur absaugt. Beim Einbau gibt es dann eine kleine Überraschung, denn keiner von uns hatte bedacht, dass diese erweiterte Funktionalität funktionsbedingt auch eine zweite Pumpe erfordert, die noch irgendwo im engen Unterschrank verbaut werden muss. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Christoph in Deutschland sein Knie verletzt hat und nahezu alle Arbeiten, die eine gewisse körperliche Flexibilität erfordern, von Elvira erledigt werden müssen.
Eine weitere Kleinigkeit trübt die Freude über die Rückkehr zum Boot: Es ist etwas Regenwasser ins Schiff gekommen. Als wir das Boot mit dem Gartenschlauch abspülen, ist der Übeltäter schnell gefunden: Das Wasser rinnt über die Schraubverbindung des Geräteträgers am Heck in die Achterkabine. Offenbar haben die Kollegen in Italien beim Anbau des Geräteträgers vergessen die Schrauben mit Dichtmasse zu versehen. Entsprechend holen wir das jetzt nach und dichten die Schrauben mit Sikaflex ab. Da wir den Geräteträger nicht mal eben so abnehmen können, dürfen wir stattdessen immer nur jeweils eine Schraube lösen, Dichtmasse in das Loch einbringen (wobei wir nicht geizen!) um anschließend die Schraube wieder in das Loch zu führen und durch die Kontermutter im Inneren des Bootes zu sichern. Was sich hier beim Schreiben des Textes so einfach anhört, ist in der Praxis eine schweißtreibende Angelegenheit, die Elvira nahezu an ihre körperlichen Grenzen bringt, denn sie muss sich dabei in alle möglichen Verrenkungen begeben, um an die Schrauben zu gelangen und dabei irgendwie noch genug Kraft aufbringen, damit die Schrauben am Ende auch wieder fest sitzen. Am Ende gelingt aber auch dieses Projekt und wir sind froh, dass wir diese Undichtigkeit gefunden und behoben haben, bevor das Boot in wenigen Monaten alleine dem griechischen Winter ausgesetzt ist.
Auf nach Korfu
Am 4. September ist es dann endlich soweit: Bei strengem Seitenwind wird die Wanderer wieder zu Wasser gelassen. Wir geben gut Schub nach achtern und verlassen den Slipway ohne Kratzer. Es hält uns nichts mehr in Preveza und wir nehmen noch am gleichen Nachmittag Kurs auf Korfu. Wir ankern noch zwei Nächte an Buchten entlang der Festlandküste bevor wir schließlich am 6. September nach Korfu übersetzen. In der Bucht von Molos testen wir zum ersten Mal unseren neuen elektrischen Außenborder und sind schwer begeistert. Tatsächlich kommen wir mit dem Motor schneller voran als wir erwartet hatten. Zudem ist das Fahrgefühl sehr angenehm und der Motor lässt sich sehr feinfühlig manövrieren. Vorbei sind die Tage, an denen wir Anlegemanöver mit zu viel Schwung fahren müssen, um nicht zu riskieren, dass uns der alte Verbrenner bei zu geringer Drehzahl plötzlich ausgeht.
Am 7. September feiern wir dann das Wiedersehen mit unseren Freunden von der SY Joyfull in Korfu Stadt. Wir verbringen nochmal einige schöne Tage zusammen, treffen uns abends vor Anker zum Spieleabend und gemeinsamen Essen und tauschen Geschichten aus. Mit dem Dinghi kann man von Korfu Stadt aus wunderbar bis nahezu vor die Tür eines großen Lidl-Supermarktes fahren, was wir natürlich ausgiebig nutzen, um unsere Vorräte aufzufüllen. Auch den kleinen Kanal zwischen der großen Festung und der Altstadt erkunden wir mit dem Dinghi und fühlen uns fast wie in Amsterdam.
Am 11. September feiern wir noch alle gemeinsam Erics 4. Geburtstag mit Kuchen und Geschenken bevor wir uns am nächsten Tag bereits wieder verabschieden müssen, denn unsere Freunde sammeln in Gouvia noch Silvans Vater ein und machen sich dann unmittelbar auf den Weg zurück nach Italien um rechtzeitig Catania zu erreichen, wo Silvans Papa seinen Rückflug nach Hause antreten wird.
Für uns geht es hingegen sehr gemütlich weiter. Am 12. Oktober werden wir Christophs Sohn und Mama in Korfu Stadt abholen, die uns wieder mal für 10 Tage begleiten werden. Bis dahin haben wir noch reichlich Zeit um die Region rund um Korfu zu erkunden. Wir fassen grob ins Auge, dass wir zunächst einmal die Ostküste von Korfu hinaufsegeln möchten, um dann in einem passenden Wetterfenster die etwas rauere Westküste wieder hinunter zu segeln.
Nachdem wir Korfu Stadt verlassen haben, ankern wir zunächst noch in der großen Bucht neben Gouvia und dann schließlich in Agios Stefanos, was uns wirklich ausgesprochen gut gefällt. Ein malerischer kleiner Ort mit hübschen Tavernen und nur wenigen Touristen. Auch Kassiopi, unser nächster Stopp, können wir sehr empfehlen. Der Ort ist etwas größer und wir finden sogar noch einen Baumarkt, in dem wir Kontaktkleber besorgen, um die Seitenverkleidung in der Bugkabine wieder zu befestigen, bevor unsere Gäste an Bord kommen. Eine sehr lästige Angelegenheit, denn bevor der Kleber seine volle Kraft entfalten kann, müssen zunächst alle Flächen von Rückständen des alten Klebers befreit werden. Mit dem Drahtbürstenaufsatz unserer Bohrmaschine gelingt uns das ganz gut, auch wenn es einige Zeit in Anspruch nimmt.
Von Kassiopi setzen wir über nach Erikousa, eine der kleinen Diapontischen Inseln nördlich von Korfu. Es bietet sich an diesen Abstecher zu machen, zum einen weil diese kleinen Inseln häufig so viel Charme versprühen und zum anderen, weil uns die Strecke bis zur ersten gut geschützen Ankerbucht der Westseite von Korfu sonst etwas zu lang erscheint. Der Ankerplatz vor dem Hafen der kleinen Insel entpuppt sich zwar als etwas schaukelig, doch für eine Nacht ist es in Ordnung. Die Insel gefällt uns dafür ausgesprochen gut. Bis auf die wenigen Segler verirren sich kaum Touristen hierher, doch die kleine Siedlung mit ihren Koppeln und dem alten Friedhof ist wirklich hübsch anzusehen. Wir entdecken auch ein ganz tolles Café, dem wir am nächsten Morgen einen Besuch abstatten und bekommen hervorragendes, noch warmes Bougatsa serviert.
Danach geht es für uns weiter: Kurs Agios Giorgios. Die große Bucht bietet ausreichend Schutz und einen großen Badestrand mit viel Platz was einen deutlichen Kontrast zur wesentlich überfüllteren Ostseite der Insel bietet. Wir haben aber nicht vor lange zu bleiben und segeln am nächsten Tag bereits weiter. Wir lassen auch das vermutlich sehenswerte Palaiokastritsa links liegen, da wir zum einen keinen guten Ankerplatz erwarten und irgendwie lieber mehr Strecke machen möchten um möglichst zügig nach Lakka auf der kleinen Nachbarinsel Paxos zu kommen. Lakka sollte man sich definitiv ansehen haben wir mehrfach gehört. Und so folgen auf der Westseite von Korfu lediglich noch zwei Übernachtungsstops, einer in Emones und einer vor den Dünen bei der Korission Lagune. Letzteren sollte man aber unbedingt mitnehmen.
Die weitläufigen Dünen liegen etwas abseits der nächsten Ortschaft und man fühlt sich umgeben von unberührter Natur mit einem Strand ewiger Weite. Sicher einer der schönsten Strände dieser Saison.
Paxos und die Festlandküste
Am Folgetag setzen wir nach Lakka über und erreichen die überlaufene Bucht als eines der letzten Boote am Abend. Auf engstem Raum drehen wir eine kurze Runde in der vollen Bucht und verpassen nur um Haaresbreite eine improvisierte Ankerboje (als PET-Flasche getarnt) eines ankernden Bootes. Schnell ist uns klar, dass wir uns hier nirgends mehr zwischen drängen möchten. Am Ende ankern wir schließlich unmittelbar am Eingang der Bucht im halb offenen Wasser, was bei den aktuellen Verhältnissen von Wind und Welle jedoch weder für den Landgang am Abend noch für die Nacht ein Problem darstellt.
Wir erkunden den kleinen Ort noch bis Einbruch der Dunkelheit und es ist Eric, der uns noch immer weiter und höher zu einer Wanderung den Küstenhang hinauf treibt. Eigentlich suchen wir eine Mühle, deren Beschilderung sich jedoch irgendwann in Luft auflöst und für uns schließlich unerreichbar bleibt. Entlohnt werden wir trotzdem für unsere Mühe, denn der Ausblick ist wirklich atemberaubend und wir schießen ein paar schöne Bilder von unserer Wanderer in der Abendsonne. Ja, wir können den Rummel um Lakka schon nachvollziehen. Nicht nur ist die Bucht wirklich ein Zauber der Natur, auch die Ortschaft selbst ist sehr hübsch mit ihren vielen kleinen liebevoll herausgeschmückten Gassen und Geschäften. Entsprechend ist alles natürlich auch ein bisschen voller und teurer als an vielen anderen Orten im Ionischen Meer.
Am nächsten Tag kreuzen wir bei steifer Brise nach Gaios, doch die Ankermöglichkeiten hier gefallen uns gar nicht. Eigentlich gibt es nur wenige Stellen an denen man sicher für die Nacht frei ankern kann und die sind bereits alle belegt. Wir dümpeln eine Weile planlos herum und suchen die Küste nach möglichen Stellen für eine sichere Nacht ab. Nach einer Weile treffen wir schließlich die rationale Entscheidung bereits heute zurück ans Festland zu segeln. Das war ohnehin unser Plan auch wenn wir uns Gaios wirklich noch gerne angesehen hätten bevor wir Paxos wieder verlassen. Egal, segeln bedeutet eben auch die Pläne ständig wieder anzupassen und Poseidon möchte eben, dass wir heute weiter nach Parga segeln.
Vielleicht hat am Ende auch wieder alles seinen Sinn, denn mehrere schöne Überraschungen erwarten uns in Parga. Wir sind kurz davor in die Bucht von Parga einzulaufen und Elvira holt gerade bereits die ersten paar Meter die Schleppleine ein als sie einen deutlichen Ruck spürt. Fish on! Schon beim Einholen wird klar, dass wir es dieses Mal nicht mit irgendeinem exotischen Winzfisch zu tun haben, sondern unseren ersten kleinen Thunfisch an der Angel haben. So kümmern wir uns noch schnell um den Fisch bevor schließlich der Anker in der großen Bucht neben Parga fällt (Direkt vor Parga ist das Ankern nicht erlaubt). In Windeseile sitzen wir auch bereits im Dinghy, um zumindest noch für eine kurze Weile die Stadt zu erkunden.
Diese wird zur weiteren Überraschung, denn sie ist ausgesprochen hübsch, bietet reichlich Einkaufsmöglichkeiten, einen Spielplatz sowie eine Tankstelle, was uns alles gerade sehr gelegen kommt, haben wir doch seit Korfu Stadt keinen wirklich größeren Ort mehr zu Gesicht bekommen. Und so beschließen wir bereits am ersten Abend mindestens für zwei Nächte hier zu bleiben. Die Nacht entpuppt sich jedoch als sehr anstrengend, denn unser Platz bekommt mehr Schwell ab als uns lieb ist und so verlegen wir uns am nächsten Tag noch einmal etwas tiefer in die Bucht hinein, was sich im Nachgang jedoch als wenig hilfreich herausstellt.
Über die dritte Überraschung freuen wir uns am meisten, denn völlig ohne Vorankündigung sehen wir plötzlich die Godewind von Michel und Elvira (!) in die Bucht einlaufen. Wir hatten die beiden im Frühjahr auf Sizilien kennengelernt und uns auf Anhieb gut verstanden. Wir rufen und winken und sitzen wenige Minuten später bereits beim Campari in ihrem Cockpit und tauschen Geschichten aus.
Gemeinsam segeln wir am nächsten Tag nach Sivota und verbringen ein paar schöne Tage zu fünft. Die beiden entpuppen sich als großartige Feriengroßeltern für Eric, der sofort eine vertraute Verbindung zu ihnen aufbaut, mit Michel alleine baden geht und sich an seinen Zaubertricks erfreut. Auch wir haben die beiden sehr in unser Herz geschlossen und genießen die gemeinsamen Stunden, die wir zusammen in Sivota verbringen, bevor sich unsere Wege wieder trennen müssen. Während wir erst in Kürze Christophs Mama und seinen Sohn Lahjan in Korfu Stadt in Empfang nehmen werden, planen die beiden bereits ihre Rückkehr nach Preveza um ihre Godewind bereits ins Winterlager zu schicken.
Wir machen noch einen Stop in Plataria, bevor wir nach Igoumenitsa weitersegeln, um eine Sturm- und Gewitterfront abzuwettern. Am Ende bleiben wir über eine Woche in Igoumenitsa und unternehmen sogar einen Ausflug mit dem Bus nach Ioannina, das tief im Inland hübsch an einem See gelegen ist. Eine Empfehlung von einem ortskundigen deutsch-griechischen Pärchen, mit dem wir uns auf unseren täglichen ausgedehnten Spielplatzbesuchen anfreunden. Vor Anker lernen wir dazu noch eine australisch-amerikanische Familie kennen. Nach erster anfänglicher Schüchternheit verschwindet Eric mit den beiden Jungs in deren Spielzimmer auf ihrem Katamaran und kommt erst zu später Stunde wieder hervor.
Schrecksekunde: Blitzschlag im Ankerfeld
Am 1. Oktober wird es dann richtig ungemütlich, zwar liegt der Ankerplatz extrem geschützt, doch fegt ein Gewitter direkt über uns hinweg. An Land mag ein Gewitter ja regelrecht etwas gemütliches haben, doch auf einem Boot wird es schnell zu einer bedrohlichen Kulisse. Ein Blitz schlägt hell und ohrenbetäubend laut nur wenige Meter neben unserer Wanderer im Wasser ein. Wir spüren, wie aufgeladen die Luft um uns herum ist. Die Folgen sehen wir erst am nächsten Tag als wir alle Geräte genauer unter die Lupe nehmen: Windmesser und Autopilot möchten beide nicht mehr ihre Arbeit verrichten. Mist! Auch bei unseren Ankernachbarn gibt es den ein oder anderen Schaden zu beklagen. Christoph bewaffnet sich mit dem Multimeter und geht der Sache auf den Grund.
Da die Navigationselektronik zusammen in einem SeaTalk Netzwerk arbeitet, müssen zunächst alle Geräte getrennt und dann jeweils einzeln getestet werden, um so das defekte Teil zu finden. Am Ende entpuppt sich unsere Tridata Anzeige (Tiefenmesser, Geschwindigkeit, Wassertemperatur) als Übeltäter, wir müssen die Verkabelung so umgestalten, dass wir dieses Gerät aus dem Netzwerk entfernen. Auf diese Weise funktioniert nahezu alles wie vorher. Das einzige was wir hierdurch einbüßen ist die Funktionalität aus der scheinbaren Windstärke und dem scheinbaren Windwinkel, die wahre Windstärke und den wahren Windwinkel zu berechnen. Also im Klartext: Wir sehen sowohl Geschwindigkeit, Tiefe und Wassertemperatur weiter auf dem Display, speisen sie jedoch nicht mehr ins Netzwerk ein, was dazu führt, dass andere Instrumente diese Daten nicht mehr zur Verfügung haben, um abhängige Metriken zu berechnen. Das soll uns jedoch nicht weiter stören, ein Ausfall des Autopiloten oder des Tiefenmessers wäre weitaus dramatischer gewesen.
Erst am 8. Oktober verlassen wir schließlich unseren sicheren Ankerplatz vor Igoumenitsa. Mit etwas über einer Woche lagen wir hier so lange, wie an keinem anderen Ort in dieser Saison. Wir segeln weiter gen Norden nach Sagiada kurz vor der Grenze zu Albanien. Es ist ein kleines verschlafenes Nest mit einem winzigen Hafen (den wir aber nicht nutzen) und einigen guten Restaurants in denen wir uns leckere Sardinen und Dorade grillen lassen. Es wird unsere letzte Station bevor wir zurück nach Korfu Stadt segeln um unseren Besuch in Empfang zu nehmen.
Familienzeit und Reiterglück
Zurück in Korfu-Stadt nehmen wir zunächst einen Großeinkauf bei Lidl in Angriff und füllen unsere 600-Liter-Wassertanks wieder randvoll, damit wir die wertvolle Zeit mit unserem Besuch entspannt nutzen können. Am 12. Oktober ist es dann so weit. Der Flughafen befindet sich keine 15 Gehminuten vom Ankerfeld und so holen wir die beiden kurzerhand zu Fuß ab. Auch die folgenden zwei Tage bleiben wir in Korfu Stadt und schlendern zu fünft durch die engen schönen Gassen, essen Eis und lassen es uns gut gehen.
Wir haben aber bereits einen Programmpunkt für die nächsten Tage, der unseren nächsten Ankerplatz vorgibt. Lahjan hegte schon länger den Traum einmal auf einem Pferd zu reiten. Als wir dann bei unserem ersten Besuch auf Korfu einer Reklame für einen Gelände-Ausritt auf Pferden begegnen, nehmen wir kurzerhand Kontakt auf und organisieren das Event für ihn und seine abenteuerfreudige Oma. Und so sind wir nun für den 15. Oktober morgens in Petriti verabredet um die beiden fürs Reiten abholen zu lassen. Beide berichten am Ende von einem sehr schönen Erlebnis.
In der Bucht von Petriti liegt ein Schiffswrack in Ufernähe. Man kann problemlos vom Strand aus durchs flache Wasser waten, um es zu erreichen und aus nächster Nähe zu begutachten. Über das Schicksal des Stahl-Segelboots konnten wir leider nichts weiter erfahren.
Da bereits wieder der nächste Herbststurm im Anmarsch ist, beschließen wir uns für zwei Tage wieder nach Igoumenitsa am Festland zu verziehen. Auch wenn der Ort optisch kein Hingucker ist, so haben wir ihn doch inzwischen für seinen Schutz und die gute Infrastruktur schätzen gelernt.
Gerne hätten wir unseren Gästen noch das hübsche Lakka auf Paxos gezeigt, doch der Wind hat andere Pläne und führt uns stattdessen noch einmal nach Sivota. Bei engen Zeitfenstern im Herbst muss man auch immer wieder Kompromisse eingehen, damit beim Familientörn alle auf ihre Kosten kommen.
Ein stürmischer Abschied
Und so geht unsere Zeit zu fünft auch bereits rasch wieder ihrem Ende zu. Von Sivota segeln wir über Mesongi zurück nach Korfu Stadt, wo Lahjan und Annette am 22. Oktober wieder ihren Flug nach Deutschland antreten werden. Leider spielt das Wetter nicht mit und Starkwind bläst direkt in die Bucht, die ohnehin bereits keinen besonders guten Ankergrund bietet. Normalerweise würden wir bei diesen Bedingungen nicht in dieser Bucht ankern wollen, doch der Flugplan lässt uns kaum eine andere Wahl. Und so wird bereits die Nacht vom 21. auf den 22. noch zu einer authentischen Demonstration, was es bedeutet auf dem Wasser Zuhause zu sein. Mehrmals in der Nacht werden Christoph und Elvira vom Ankeralarm aus dem Schlaf gerissen. Draußen tobt der Wind und die Wellen schlagen hoch. Der Anker rutscht immer mal wieder und wir wissen, dass der Untergrund ein Seegrasfeld mit nur wenig lichten Sandflecken ist, die in der Dunkelheit ohnehin nicht auszumachen sind.
An Schlaf ist irgendwann nicht mehr zu denken. Wir beobachten die Situation bis wir schließlich aufgrund der wachsenden Nähe zu unserem Hintermann ein Umankern nicht weiter hinauszögern können. Mit Regensachen, Rettungswesten und Stirnlampen gehen wir an Deck und lichten den Anker. Der Wind tobt, das Wasser peitscht uns um die Ohren und wir müssen uns anbrüllen um uns überhaupt halbwegs koordinieren zu können. Ohne Aussicht, in der Dunkelheit eine ideale Sandstelle finden zu können, steuert Christoph das Schiff gegen Wind und Wellen nach Gefühl zu einer Stelle, die uns genug Abstand zu unseren Ankernachbarn verschafft. Dann lassen wir den Anker fallen und stecken über 60 Meter Kette. Ein ordentliches Ankermanöver ist in den Bedingungen ohnehin nicht zu machen und so bleibt für den Moment nur das Prinzip "viel hilft viel". Und es hilft. Der Anker hält. Nach Sonnenaufgang dann die nächste Prüfung. Bereits das Einsteigen ins Dinghy ist eine gewagte Sache mit hohem Verletzungsrisiko, denn die Wellen heben und senken sowohl das Heck unserer Wanderer als auch das Schlauchboot doch beträchtlich. Das ganze gipfelt dann schließlich mit dem Anlandemanöver an der Pier. Die Wellen heben das Dinghy so hoch an, dass man aufpassen muss, dass das gesamte Schlauchboot nicht mit einer großen Welle auf die Steinpier gesetzt wird. An ein gewöhnliches Anlegen ist nicht zu denken. Wir müssen uns mehrfach annähern und wieder entfernen um nach und nach alle Koffer und Taschen wortwörtlich auf die Pier zu schmeißen. Gleiches gilt fürs Übersteigen, das Annette und Lahjan jedoch ohne größere Blessuren gekonnt meistern.
Wir blicken zurück auf eine wunderschöne Zeit mit unseren Lieben und sind dankbar für die vielen schönen Momente, die wir zusammen erleben durften.
Winterschlaf für die Wanderer
Zurück auf der Wanderer hält uns nichts mehr an diesem Ort bei diesen rauen Bedingungen. Wir kranen das Dinghy und überlassen es unserem 75-PS-Yanmar-Diesel uns sicher gegen den Starkwind aus der Bucht zu bringen.
Als schließlich die gerefften Segel gesetzt sind, wirkt die Situation gleich etwas freundlicher. Zwar müssen wir hart am Wind segeln, machen jedoch zunächst genug Höhe um uns halbwegs parallel zum Land gen Süden zu bewegen. Wir wollen jetzt einfach nur noch so schnell wie möglich Preveza erreichen um unsere lange Liste an Einwinterungsarbeiten abzuarbeiten. Drei Tage brauchen wir für die Strecke mit Ankerstopps vor Lefkimmi und Ammoudia. Die ganze Rückreise ist verbunden mit viel Kreuzerei und andauerndem Starkwind, doch zumindest den Nachmittag am Ankunftstag segeln wir bei Halbwind und Sonnenschein. Da wir bereits wissen, dass wir am Montag die ersten im Kran sind, legen wir uns vor der Slipanlage auf die Lauer und reklamieren den Platz in der Anlage für uns nachdem das letzte Schiff abgefertigt wurde. Natürlich haben wir das vorher mit dem Trockendock so abgesprochen.
Auf diese Weise können wir bereits am Samstag und Sonntag das Abschlagen, Falten und Verstauen der sperrigen neuen Segel vornehmen, was vor Anker oder auf dem Trockendock längst nicht so bequem funktioniert hätte wie in der Slipanlage. Am Montag holt uns der Kran schließlich aus dem Wasser und dieses Mal vergessen wir auch nicht, den Kranführer nach dem Gewicht zu fragen. 14 Tonnen bringt unsere Jeanneau 43 DS auf die Waage, wir lieben jedes Gramm an ihr! Nachdem die schweren Maschinen unser Dickschiff an ihren Winterschlafplatz bringen, beginnt das Einwintern. Wir haben uns ein (hoffentlich) ausgefeiltes System an verschiedensten passiven Entfeuchtern + Schalen mit Katzenstreu einfallen lassen, um der Winterfeuchte hoffentlich genug entgegenzusetzen, dass uns im Frühjahr keine Schimmelkatastrophe erwartet. Zudem verpacken wir das ganze Boot in reichlich Plane, um die sensibelsten Stellen vor andauerndem Regen zu schützen.
Am 30. Oktober sitzen wir schließlich im Flieger über London nach Faro und freuen uns auf unseren Winter zuhause in Portugal. Bis zum 1. Februar wird unsere Wanderer alleine und doch in bester Gesellschaft vieler anderer hübschen Boote im Trockendock verbringen. Dann kommt Christoph zusammen mit einem Kumpel für ein paar Wochen vorbei, um wieder einmal diverse Winterprojekte umzusetzen. Wir werden davon berichten.